19 Terawatt
So viel Leistung zieht die Menschheit im Dauerbetrieb. Jede Sekunde, das ganze Jahr. Dieser Report zerlegt die Zahl: woher die Energie kommt, wie viel davon Strom ist, was davon in Rechenzentren geht, und was die Sonne im selben Moment umsonst anliefert.
Energieverbrauch wird fast immer als Jahresmenge angegeben, und Jahresmengen sagen niemandem etwas. 600 ExajouleExajoule ist die Einheit, in der die Welt ihre Jahresenergie bilanziert. Ein Exajoule ist eine Trillion Joule. Handlicher: 1 EJ = 277,78 Terawattstunden, und ganz Deutschland verbraucht im Jahr rund 12 EJ. ist keine Zahl, die du dir vorstellen kannst.
Teile sie durch die Sekunden eines Jahres, und sie wird greifbar: 19 Terawatt Dauerleistung. Die Menschheit ist eine Maschine, die permanent mit 19 Billionen Watt läuft, also 19.000 Milliarden Watt. Das ist die eigentliche Kennzahl, und alles Weitere in diesem Report ist ein Anteil davon.
Sechs Quellen, und drei davon machen 86 Prozent
600,45 Exajoule gesamt. Die Breite jedes Abschnitts ist sein Anteil.
Zahlen als Tabelle
| Quelle | Exajoule | TWh | Anteil |
|---|---|---|---|
| Öl | 201,0 | 55.833 | 33,5 % |
| Kohle | 166,0 | 46.111 | 27,6 % |
| Gas | 151,0 | 41.944 | 25,1 % |
| Kernkraft | 31,0 | 8.611 | 5,2 % |
| Wasserkraft | 16,0 | 4.444 | 2,7 % |
| Erneuerbare | 35,5 | 9.847 | 5,9 % |
| Gesamt | 600,5 | 166.792 | 100 % |
Die interessante Zahl steht nicht im Diagramm, sondern im Zuwachs. Erneuerbare legten 2025 um 3,3 Exajoule zu, ein Plus von zehn Prozent, und Solar allein stellte 71 Prozent dieses Zuwachses. Zum ersten Mal außerhalb einer Rezession waren Erneuerbare die größte Wachstumsquelle im gesamten Energieangebot.
Und trotzdem: der fossile Block bewegt sich kaum. 86,3 Prozent. Beides ist gleichzeitig wahr, und wer nur eine der beiden Zahlen zitiert, erzählt eine Geschichte statt eines Befunds.
Die Energiewende, über die alle reden, findet in 19 Prozent des Systems statt
Wenn über Energie diskutiert wird, ist fast immer Strom gemeint. Strom ist aber nur 19,0 Prozent der weltweiten Primärenergie: rund 31.700 TWh von 166.792 TWh.
Die anderen 81 Prozent sind Verbrennung, die nie durch eine Leitung geht: Verkehr, Prozesswärme in der Industrie, Heizung, Zement- und Stahlöfen. Dort ist die Umstellung härter, teurer und langsamer, und dort passiert die eigentliche Arbeit der nächsten zwanzig Jahre.
Wo Strom im Verhältnis zur Primärenergie steht.
Vier Größen desselben Jahres, auf derselben Achse. Alle Werte in TerawattstundenEine Terawattstunde ist eine Milliarde Kilowattstunden. Ein deutscher Haushalt verbraucht rund 3.000 kWh im Jahr, eine TWh versorgt also etwa 330.000 Haushalte. Nicht mit Terawatt verwechseln: das ist Leistung, die Wattstunde ist Menge..
Zahlen als Tabelle
| Größe | TWh | Anteil Erzeugung |
|---|---|---|
| Erneuerbare gesamt | 10.730 | 33,8 % |
| Kohlestrom | 10.476 | 33,0 % |
| Solar gesamt | 2.778 | 8,8 % |
| Solar-Zuwachs 2025 | +636 | +30 % zum Vorjahr |
| Rechenzentren weltweit | 485 | 1,53 % |
Die Sonne liefert das Neuntausendfache
Auf die Erde treffen permanent rund 173.000 TerawattTerawatt ist eine Billion Watt, also 1.000 Milliarden Watt. Eine gute Glühbirne braucht 10 Watt. 1 TW = 1.000.000.000.000 W Sonnenleistung. Die Menschheit zieht 19.
Das Bild oben ist gerundet, weil die genaue Zahl niemandem hilft: das Verhältnis liegt bei 1 zu gut 9.000. Wer es exakt braucht: 19,0 zu 173.000 Terawatt, also 1 zu 9.092, oder 0,011 Prozent.
Anders gesagt, und das ist die Fassung zum Merken: was die Menschheit in einem ganzen Jahr an Energie umsetzt, liefert die Sonne in einer knappen Stunde nach.
Diese Zahl ist kein Argument für irgendeine Technologie. Sie ist eine Einordnung, und zwar eine, die die übliche Debatte auf den Kopf stellt.
Das Energieproblem der Menschheit ist kein Mengenproblem. Es ist ein Problem von Ernte, Speicherung, Transport und Zeitpunkt. Der Rohstoff ist im Überfluss da und trifft jede Sekunde ein, ob wir ihn nehmen oder nicht.
Große Zahlen sind der Punkt, an dem Verständnis abreißt
Bis etwa hundert kann sich jeder etwas vorstellen. Danach werden Zahlen zu Wörtern, und Wörter kann man nachsprechen, ohne sie zu verstehen.
Besonders tückisch ist der Sprung zwischen den Sprachen: die englische billion ist die deutsche Milliarde, nicht die Billion. Wer das verwechselt, liegt um den Faktor tausend daneben. Deshalb steht in diesem Report bei jeder wirklich großen Zahl die Übersetzung dabei.
Die Leiter unten ist die ganze Ordnung, in der sich dieser Report bewegt. Der hervorgehobene Schritt ist der, in dem die Menschheit als Ganzes rechnet.
Jeder Schritt ist mal tausend. Das klingt harmlos und ist der Grund, warum drei Schritte weiter das Vorstellungsvermögen aussteigt: von der Million zur Billion ist es dieselbe Distanz wie von eins zur Million.
Rechenzentren sind 1,5 Prozent des Weltstroms. Und das ist die falsche Frage.
Ist-Werte 2024 und 2025, Basisprognose 2030, drei Szenarien für 2035. Der Fächer ab 2030 ist keine Unschärfe der Messung, sondern eine offene Entscheidung.
Zahlen als Tabelle
| Jahr und Fall | TWh | Anteil Weltstrom |
|---|---|---|
| 2024 Ist | 415 | rund 1,5 % |
| 2025 Ist | 485 | 1,53 % |
| 2030 Basisfall | 945 | knapp 3 % |
| 2035 Gegenwind | 700 | unter 2 % |
| 2035 Hohe Effizienz | 970 | 2,6 % |
| 2035 Lift-Off | 1.700 | 4,4 % |
636 gegen 485 Terawattstunden. Solar hat 2025 in zwölf Monaten mehr Erzeugung dazugewonnen, als sämtliche Rechenzentren der Welt im selben Jahr verbraucht haben. Das ist der ehrlichste verfügbare Maßstab für die Frage, ob KI das Stromnetz sprengt.
Die Antwort auf der globalen Ebene ist: nein. Rechenzentren stellen weniger als zehn Prozent des weltweiten Stromnachfrage-Wachstums bis 2030. Klimaanlagen, Elektrofahrzeuge und die allgemeine Elektrifizierung stellen weit mehr.
Die Antwort auf lokaler Ebene ist: doch, sehr wohl. Rund 80 Prozent des gesamten Zuwachses bis 2030 fallen in den USA und in China an. Wenn ein einzelner Landkreis in Virginia oder eine Provinz in Guizhou die Last eines Industriestaats dazubekommt, hilft der beruhigende Weltdurchschnitt dort niemandem. Das Problem ist nicht die Menge. Das Problem ist die Verteilung und der Anschluss.
Die Rechnung geht nur auf, wenn das Werkzeug mehr Energie erschließt, als es frisst
Die Verbrauchsseite der KI ist gut vermessen. Die Ertragsseite ist es nicht, und genau dort entscheidet sich, ob KI im Energiesystem ein Kostenposten oder ein Hebel ist.
Was heute belegbar ist, unterscheidet sich scharf von dem, was angekündigt wird. Beides gehört auseinandergehalten.
Belegt
Plasmaregelung im Tokamak. DeepMind und die EPFL haben gezeigt, dass tiefes bestärkendes Lernen die Magnetspulen eines Fusionsreaktors so steuert, dass komplexe Plasmaformen stabil bleiben. Seit Oktober 2025 läuft die Zusammenarbeit mit Commonwealth Fusion Systems, um dieselbe Methode auf einen Reaktor zu bringen, der Netzstrom liefern soll.
Materialsuche. Maschinelles Lernen hat den Suchraum für neue Kristallstrukturen um Größenordnungen erweitert. Für Batterien, Katalysatoren und Solarzellen ist das der Flaschenhals, nicht die Fertigung.
Prognose. Wetter- und Lastvorhersage ist die unspektakulärste und wirksamste Anwendung. Wind- und Solarstrom, dessen Einspeisung Stunden im Voraus genauer bekannt ist, ist im Handel schlicht mehr wert und braucht weniger Reserveleistung im Hintergrund.
Angekündigt
Netzeigene Optimierung im Sekundentakt, autonome Betriebsführung von Kraftwerken, KI-entworfene Reaktordesigns. Ernstzunehmende Programme, aber ohne belastbare Ertragszahlen. Wir führen sie hier als offene Posten, nicht als Beleg.
Stahl, Zement, Chemie: die Physik hinter den Exajoule
Energie ist eine Abstraktion. Darunter liegt eine Stoffebene, und die ist der Grund, warum sich die 81 Prozent Nicht-Strom so hartnäckig halten.
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung modelliert genau diese Ebene in REMIND, seinem Integrated Assessment Model. Seit Version 3.1 sind vier Industriezweige einzeln abgebildet: Zement, Chemie, Stahl und sonstige Industrie. Für Stahl steckt ein prozessbasiertes Modell darin, das einzelne Herstellungsrouten mit ihren Kosten, Energie- und Materialeinsätzen führt, statt Stahl als eine Zahl zu behandeln.
Für einen Energie-Report ist das die entscheidende Auflösung: nicht wie viele Exajoule die Industrie zieht, sondern welcher physikalische Prozess sie zieht und ob er sich elektrifizieren lässt.
Drei Zweige, die zusammen fast die Hälfte des industriellen Energieeinsatzes stellen.
Zement ist dabei der harte Fall. Rund 29 Prozent der direkten Industrie-Emissionen stammen daraus, und ein großer Teil davon entsteht nicht beim Heizen, sondern chemisch beim Brennen des Kalksteins. Diesen Anteil bekommst du auch mit hundert Prozent Ökostrom nicht weg. Er verlangt einen anderen Prozess oder Abscheidung.
Die Menge ist nicht das Problem
Bei 1 zu 9.092 gegenüber der Sonneneinstrahlung ist die verfügbare Energie keine harte Grenze. Ernte, Speicher, Netz und Zeitpunkt sind es.
KI ist energetisch klein und lokal groß
0,29 Prozent der Primärenergie global, aber 80 Prozent des Zuwachses in zwei Ländern. Wer über KI und Energie redet, muss sagen, auf welcher Ebene.
Die Ertragsseite fehlt in der Debatte
Was KI an Energie kostet, wird gemessen. Was sie an Energie erschließt, wird behauptet. Diese Lücke zu schließen ist die interessanteste offene Arbeit.
Strom ist ein Fünftel
Die 81 Prozent Verbrennung außerhalb des Stromnetzes bekommen einen Bruchteil der Aufmerksamkeit, die sie verdienen.
- Energy Institute, Statistical Review of World Energy 2026, 75. Ausgabe, Juni 2026. Primärenergie 2025 nach Quelle. energyinst.org/statistical-review
- Ember, Global Electricity Review 2026, April 2026. Weltweite Stromerzeugung 2025, Erneuerbaren- und Kohleanteil, Solarzuwachs. ember-energy.org
- IEA, Energy and AI. Stromverbrauch der Rechenzentren, Basisfall 2030 und Szenarien 2035. iea.org/reports/energy-and-ai
- Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, REMIND 3.1.0, Geoscientific Model Development 17, 2024. Industriezweige, Endenergieanteile, Elektrifizierungspfade. gmd.copernicus.org
- Google Cloud, Messung des Energiebedarfs einer Gemini-Anfrage, August 2025. cloud.google.com
- Fraunhofer ISE, Energy-Charts. Referenz für hochaufgelöste Netzdaten. energy-charts.info
Umrechnungen McGrinsey: 1 EJ = 277,78 TWh. Dauerleistung über 31.557.600 Sekunden. Pro-Kopf-Werte auf 8,23 Mrd. Menschen. Prozentwerte gerundet, Summen können um 0,1 abweichen.

