Was hat Impact Indexing mit Freiem Theater zu tun?

Einige Zeit nun habe ich im Freien Theater gewirkt. Rund vier Jahre, neben dem Studium (manchmal andersrum). Von Produktionsorganisation bis Ticketing und ÖA, von inhaltlichen Diskussionen, Teilhabekonzepten, Probenbetreuung, Premieren und Preisen zu Wischmaschine und Plakatekleben.
Assistenz.
Eine Erschöpfungsdepression, eine Pandemie und einen Studienabschluss später mache ich Schritte in die Startupwelt. Anderes Universum.
Gleicher Mensch.
Notwendigkeit der Gehirnerweiterungsprogrammierung vorprogrammiert.
Vom Leistungsbetrieb in den Hyperdrive.
Ich ecke an.
Das ist ok.
War das Absicht?
Ja.
Warum?
Weil mein Anliegen das Selbe ist.

Von der Kulturproduktion ins Impact Indexing

Warum?

Kurze Antwort:
Auch ich will die Welt zu einem besseren Ort machen. Und das geht dort und hier. Zu meinen Bedürfnissen passt gerade besser hier.

Längere Antwort:
Die Kunst bietet uns durch ihr kritisch-reflexives Potenzial die Möglichkeit, Wirklichkeit durch sie hindurch zu diskutieren, regt uns an, sie anders zu Denken, erweitert unseren Erfahrungsraum, setzt uns in Beziehung.
(Freie) Theater sind Organisationen im Spannungsfeld. Organisationen in der Dauerzerreißprobe. Sie arbeiten multilingual - spreche die Sprache der Künstler:innen, der Publikumsgruppen, der nicht-Publikumsgruppen, der Kooperationspartner:innen, der städtischen Politik, der Landespolitik, der Bundespolitik, weiterer Fördermittelgeber:innen, Sponsor:innen?, Nachbar:innen, deines Teams - stetige Übersetzungsleistung.
Werde deinem eigenen Anspruch gerecht. Keine Ausreden.
Habe aktuelle Entwicklungen im Blick, zukünftige auch, die Finanzen - stetige Transformation. Bist schließlich ein Haus mit Auftrag, weil - Anspruch - und öffentlicher (Ko-)Finanzierung.
In Theatern kondensiert Gegenwart. Theater sind zu Wirkung verpflichtet.
Und Impact Indexing, deutsch: Wirkungsmessung?
Knüpft methodisch an die Forschungsausbildung aus dem Studium an, verbindet sich inhaltlich mit Diskussionen aus den Soziologieseminaren und: seziert Wirklichkeit.
Lasst uns Handeln hinsichtlich Wirkung analysieren, dokumentieren und weiterentwickeln. Lasst uns unser Lernen und Tun dokumentieren, transparent darstellen, Konsequenzen ziehen und gemeinsam besser werden.

Um ehrlich zu sein: Manchmal vermisse ich den geschützten Bühnenraum, auf der Technikgalerie sitzend, über den Köpfen des Publikums, heiß von den Theaterleuchten, der Welt auf der Bühne zusehend. Manchmal verkrieche ich mich in der harten Ernsthaftigkeit des Feuilletons. Die, die die Saaltüren öffnet und schließt und wieder öffnet und schließt, bin ich.

Aber dann trete ich hinaus, hinein in einen anderen Strudel, ein anderes Universum, lerne neue Sprachen. Vielleicht verlerne ich die, die ich bisher konnte. Vielleicht werde ich hypermultilingual. Herausfordernd und schön.

Und jetzt? Moralische Überhöhung? Utopiefähigkeit der Kunst? Größenwahn?
Nein, für mich ein Schritt in die richtige Richtung.
Es ist gerade Performing Arts Festival in der Hauptstadt.
See you und toi, toi, toi.

Lebenszeit LebeDeinenTraum

Gesine · 30.05.2022 - 10:32 Uhr
Zuletzt editiert: 30.05.2022 - 10:32 Uhr

Geschrieben von:

Gesine Michel

Gesine Michel

Lesezeit: 3 min

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