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PARTY
Live in the future, build what's missing.
Ein Mann baut in einer Stunde einen WhatsApp-Hack, weil er hungrig und genervt ist. Acht Monate später nennt Nvidia-Chef Jensen Huang sein Projekt das erfolgreichste Open-Source-Projekt der Menschheitsgeschichte. Wir haben nachgeprüft, was davon stimmt, und was unter der Oberfläche seiner eigenen Erzählung steckt.
Vom PDF-Framework-Bootstrapper zum Mann, dessen Software einen Mac-Mini-Engpass mitverursacht haben soll. Der Schlusssatz seines Talks ist der Schlüssel zum ganzen Auftritt: lebe leicht vor der Gegenwart, und baue, was fehlt. Wir zeigen, wo diese Haltung tatsächlich seine Entscheidungen erklärt, wo seine eigene Erzählung von unabhängigem Journalismus gedeckt wird, und wo nicht.
Alles in diesem Report basiert auf diesem Auftritt. Guck ihn dir an, bevor oder nachdem du liest, dann merkst du selbst, was wir unten eingeordnet haben und was seine eigene, unwidersprochene Version bleibt.
Ein österreichischer PDF-Nerd, der sich schon einmal kaputt gearbeitet hat
Bevor irgendjemand von "Claw" sprach, war Peter Steinberger der Gründer von PSPDFKit, einer PDF-Software-Firma, die er als Bootstrapper aufgebaut hat, während er auf ein US-Visum wartete. Die Firma wuchs auf rund 80 Mitarbeitende, ihre Technik lief laut eigener Aussage irgendwann auf einer Milliarde Endgeräten.
Im Oktober 2021 stieg der Investor Insight Partners mit einer Wachstumsfinanzierung von über 100 Millionen Euro ein. Das ist unabhängig belegt, unter anderem direkt von Insight Partners selbst. Steinberger und Mitgründer Martin Schürrer traten danach aus dem Tagesgeschäft zurück. In seiner eigenen Erzählung klingt das nach einem klassischen Exit, die Pressemitteilung liest sich eher nach einer Wachstumsrunde mit Rückzug aus der operativen Rolle. Beides schließt sich nicht aus, aber es lohnt sich, den Unterschied zu kennen.
Was danach kam, erzählt er selbst offen: rund drei Jahre, in denen er kaum programmierte, stattdessen Leben nachholte, das er sich beim Firmenaufbau erspart hatte. Diese Burnout-Phase ist in vielen Interviews konsistent wiedergegeben, wir konnten dafür aber keine unabhängige Dokumentation finden, nur die immer gleiche, oft wiederholte Selbstauskunft.
Real und öffentlich nachprüfbar sind dagegen seine Accounts: GitHub unter steipete, die eigene Seite steipete.me, X unter @steipete. Kein anonymer Discord-Mythos, ein Mann mit Klarnamen und Historie.
Genervt, hungrig, ein Küchenraid, und ein Agent, der eine Stunde brauchte
Seine eigene Erklärung für den Ursprung ist entwaffnend banal: er wollte, während ein Coding-Agent für ihn arbeitete, kurz in die Küche, hatte aber keine Möglichkeit, von unterwegs per Handy nachzuschauen, wie weit der Agent ist. Also ließ er den Agenten selbst die Lösung bauen, einen simplen Relay zwischen seinem Rechner und WhatsApp. Fertig in etwa einer Stunde.
Bemerkenswert ist die Struktur dieser Geschichte, nicht nur der Inhalt: er nennt Genervtsein explizit zweimal als seine Inspirationsquelle, einmal ganz am Anfang für den allerersten Hack, und einmal ganz am Ende des Talks, als er beschreibt, was ihn heute noch antreibt. Dazwischen liegen acht Monate Weltgeschichte, aber der Mechanismus bleibt exakt derselbe.
Aus dem WhatsApp-Relay wurde nach eigener Aussage über Wochen ein Projekt mit eigenem Namen. Als jemand unaufgefordert einen Pull Request mit Discord-Unterstützung schickte, entstand daraus mehr als ein Feature, es entstand der Moment, den er selbst als Wendepunkt beschreibt: aus einem Ein-Personen-Werkzeug wurde ein Community-Projekt.
Wichtig für die Einordnung: die Kern-Idee, ein KI-Agenten per Chat statt per Terminal zu steuern, war zu diesem Zeitpunkt keineswegs neu, viele bauten zu der Zeit Ähnliches. Was seine Version offenbar unterschied, war weniger die Technik als das Gefühl: proaktiv, reduziert auf das Wesentliche, absichtlich außerhalb der Standard-Antwortmuster kalibriert, damit es sich weniger wie ein Werkzeug und mehr wie ein Gegenüber anfühlt.
Drei Namen in vier Tagen, und wir sind uns nicht sicher, wo die Zählung beginnt
Hier wird es fummelig, und wir sagen das lieber offen als es zu glätten. Mehrere unabhängige Quellen (unter anderem Forbes) stimmen überein, dass das Projekt ursprünglich Clawdbot hieß, benannt nach "Clawd", einem inoffiziellen Maskottchen für Claude Code. Der offizielle Wikipedia-Eintrag zum Projekt erzählt eine andere Startgeschichte, mit einem früheren Namen "Warelay" und einer Vorstufe namens "Clawd". Beide Versionen können nicht gleichzeitig die ganze Wahrheit sein, und wir konnten das vor Veröffentlichung nicht abschließend auflösen.
Ein Systemdienst war schuld, kein Marketingplan
Das ist die vielleicht schönste Pointe der ganzen Geschichte, und sie steckt in einem technischen Detail. Er hatte sein Projekt als launchd-Dienst eingerichtet, also so konfiguriert, dass es sich nach einem Absturz automatisch neu startet. In der ersten Januarwoche 2026 ließ er in einem frisch erstellten Discord-Server Leute mit seinem Agenten interagieren, bis in die Nacht.
Als er schließlich mit Strg-C beenden wollte, tat der Dienst genau das, wofür er gebaut war: er startete sich nach wenigen Sekunden von selbst neu und beantwortete weiter Nachrichten, während der Erbauer schlief. Rund 800 Nachrichten kamen in dieser Nacht zusammen, ohne dass jemand am Steuer saß.
Kein Launch-Event, keine Ankündigung, kein PR-Plan. Ein Reboot-Mechanismus, der genau das tat, wofür er gebaut wurde, zur denkbar ungünstigsten Zeit für Kontrolle und zur denkbar günstigsten Zeit für Viralität.
Was danach kam, ist unabhängig belegbar: eine reale Mac-Mini-Verknappung, über die unter anderem Decrypt berichtete, wenn auch mit dem fairen Hinweis, dass die Ursache umstritten ist und nicht monokausal auf ein einzelnes Projekt zurückgeführt werden sollte. Und ein Zitat von Nvidia-Chef Jensen Huang bei einem CNBC-Auftritt im März 2026, der öffentlichkeitswirksam Superlative bemühte, wörtlich dokumentiert und unabhängig verifizierbar.
Eine E-Mail mit 24 Stunden Vorlauf, und ein ganzes Geschäftsmodell wankt
Sein Projekt lief lange am besten mit einem bestimmten Anbieter-Modell optimiert, andere Modelle wurden zwar unterstützt, waren aber nach eigener Aussage der Qualität deutlich unterlegen. Als dieser Anbieter mit rund 24 Stunden Vorlauf ankündigte, vergünstigten Zugang für alle abzuschalten, blieb kaum Zeit für einen geordneten Kurswechsel.
Diese Episode ist die inhaltlich vielleicht wertvollste Lehre des ganzen Talks, weit über die eigene Projektgeschichte hinaus: wer sein Produkt an einen einzigen externen Anbieter bindet, hat kein eigenes Geschäftsmodell, er verwaltet nur die Launen eines fremden. Offene Gewichte, sagt er selbst, seien heute deutlich besser als noch zu Beginn dieser Geschichte, aber der Schreck davor saß tief genug, um in einem Konferenz-Talk als eigener Programmpunkt zu landen.
Er erzählt, er sei unabhängig geblieben. Die Schlagzeilen sagen etwas anderes.
Das ist die interessanteste Unstimmigkeit, die wir in dieser Recherche gefunden haben, und sie ist subtil genug, dass sie in keiner der bunten Nacherzählungen online auftaucht. In seinem eigenen Talk beschreibt er ausführlich, wie er von "den großen Labs" umworben wurde, mit Personen telefonierte, die er nur mit Vornamen andeutet, das Ganze mit dem Verkauf der eigenen Seele verglich, und sich am Ende laut eigener Aussage dagegen entschied. Sein Fazit: er habe seinem Bauchgefühl vertraut, und das habe ihm gesagt, offen sei ihm lieber.
Unabhängig davon berichteten TechCrunch, CNBC und Bloomberg am 15. Februar 2026 übereinstimmend, Peter Steinberger wechsle zu OpenAI. Das ist keine vage Spekulation, das sind drei seriöse Redaktionen mit fast identischer Schlagzeile am selben Tag. Erst gut fünf Monate später, im Juli 2026, gründete er zusammen mit Dave Morin die OpenClaw Foundation als amerikanische Non-Profit-Organisation, mit OpenAI, Nvidia und Microsoft als dokumentierten Unterstützern.
Beides kann gleichzeitig wahr sein, ein Angestelltenverhältnis bei OpenAI und ein parallel unabhängig organisiertes Stiftungsprojekt schließen sich nicht zwingend aus. Aber sein eigener Talk erwähnt diesen OpenAI-Schritt an keiner Stelle, obwohl er ausführlich über genau diese Entscheidung spricht. Das ist keine Lüge, aber es ist eine auffällige Lücke in einer sonst sehr offenen Erzählung.
Die Ehrlichkeits-Tabelle
| Behauptung | Status |
|---|---|
| PSPDFKit-Gründung, Insight-Partners-Investment 2021 | Unabhängig belegt |
| Umbenennung Moltbot am 27.1., OpenClaw am 30.1.2026 | Unabhängig belegt, Ursprungsname davor strittig |
| Jensen Huang nennt es das erfolgreichste Open-Source-Projekt | Unabhängig belegt, CNBC, März 2026 |
| Mac-Mini-Engpass durch das Projekt | Real, Ursache unter Medien umstritten |
| 18.000+ Mitwirkende, 111.000+ Issues/PRs, 3.000 Committer | Nicht unabhängig auffindbar, nur seine eigenen Dashboard-Zahlen |
| 835.000 auf 4,7 Mio. wöchentliche Downloads | Nicht unabhängig auffindbar |
| OpenClaw Foundation, 501(c)(3), Juli 2026 | Unabhängig belegt |
| "10 Leute auf der Payroll", offene CEO-Stelle | Nicht unabhängig auffindbar |
| Wechsel zu OpenAI im Februar 2026 | Unabhängig belegt (TechCrunch, CNBC, Bloomberg), im Talk selbst nicht erwähnt |
Eine Hommage, weil dieser Wahnsinn Musik verdient hat
John hat für diesen Mann und diesen Wahnsinn einen eigenen Track gebaut. Läuft im selben Cyber-TV wie sonst die McGrinsey-Startseite, nur diesmal komplett auf Lobster-Ferrari-Orange umlackiert. Klick auf Play.
🦞 Zur Ehre eines Mannes, der aus Hunger und Genervtsein die vielleicht wildeste Open-Source-Achterbahn des Jahres gebaut hat. Turn it up.
Doch, die Substanz ist Spaß, nur eben nicht als Stimmung gemeint, sondern als Tempo
"Habt Spaß" und "Vertrau deinem Bauch" klingen nach Motivationsplakat, und genau deshalb übersieht man leicht, was er damit eigentlich meint: Spaß ist bei ihm keine Befindlichkeit, sondern eine Ingenieursgröße, die sich direkt in Geschwindigkeit übersetzt. Wochen mit echter Neugier brachten sein Projekt sichtbar voran, Wochen aus reiner Pflicht brachten nur Konfigurationsoptionen. Spaß gleich Tempo, das ist keine Floskel, das ist seine eigentliche These. Wir haben den Talk auf genau dieser Ebene durchsucht und vierzehn Muster destilliert, jedes in eigenen Worten.
Vier Lehren, unabhängig davon, ob man ihm jede Zahl glaubt
Alles, worauf dieser Report steht
Das Talk-Transkript selbst zitieren wir bewusst nur minimal und paraphrasieren es überwiegend, es ist die Grundlage, aber nicht die Quelle für die Fakten unten. Jede Zahl, die wir nicht unabhängig bestätigen konnten, steht im Text ausdrücklich als unbestätigt, nicht als Tatsache.
- Insight Partners: Pressemitteilung zum PSPDFKit-InvestmentPrimärquelle für die über 100-Millionen-Euro-Wachstumsfinanzierung im Oktober 2021 und den Rückzug der Gründer aus dem Tagesgeschäft.insightpartners.com/ideas/pspdfkit-announces-e100-million-strategic-investment-from-insight-partners-to-fuel-growth
- PR Newswire: dieselbe Investmentmeldung, zweite unabhängige QuelleBestätigt die Zahlen aus der Insight-Partners-Meldung über einen zweiten Kanal.prnewswire.com/news-releases/pspdfkit-announces-100-million-strategic-investment-from-insight-partners-to-fuel-growth-301389571.html
- Forbes (Ron Schmelzer): Umbenennung von Clawdbot zu MoltbotGrundlage für die Namens-Zeitleiste in Abschnitt 03, inklusive Datum und Anthropics Markenrechtsanspruch.forbes.com/sites/ronschmelzer/2026/01/27/viral-ai-sidekick-clawdbot-changes-name-to-moltbot-and-sheds-its-old-skin
- Wikipedia: OpenClaw (Projektartikel)Abweichende Startgeschichte mit dem Namen "Warelay", genutzt um die Unstimmigkeit in Abschnitt 03 offenzulegen, nicht als alleinige Wahrheit.en.wikipedia.org/wiki/OpenClaw
- CNBC: Jensen Huang nennt OpenClaw das erfolgreichste Open-Source-ProjektWörtlich dokumentierte Aussage vom März 2026, Grundlage für Abschnitt 04.cnbc.com/2026/03/17/nvidia-ceo-jensen-huang-says-openclaw-is-definitely-the-next-chatgpt
- Decrypt: OpenClaw und der Mac-Mini-EngpassBerichtet den Mac-Mini-Ausverkauf, mit dem fairen Hinweis auf umstrittene Kausalität.decrypt.co/366389/openclaw-apple-mac-mini-shortage-ai-2026
- The Hacker News: Koi-Security-Untersuchung zu bösartigen Erweiterungen341 von 2.857 geprüften Erweiterungen als bösartig eingestuft, rund 12 Prozent, Grundlage für die Sicherheits-Tabelle in Abschnitt 05.thehackernews.com/2026/02/researchers-find-341-malicious-clawhub.html
- TechCrunch: "OpenClaw creator Peter Steinberger joins OpenAI"Grundlage für die Unstimmigkeit in Abschnitt 07, datiert 15. Februar 2026.techcrunch.com/2026/02/15/openclaw-creator-peter-steinberger-joins-openai
- CNBC und Bloomberg: dieselbe OpenAI-Meldung, zwei weitere RedaktionenUnabhängige Zweit- und Drittbestätigung des OpenAI-Wechsels am selben Tag.cnbc.com/2026/02/15/openclaw-creator-peter-steinberger-joining-openai-altman-says
- InfoWorld: Gründung der OpenClaw FoundationBestätigt die Non-Profit-Gründung im Juli 2026 mit Dave Morin und den genannten Unterstützern.infoworld.com/article/4196376/openclaw-becomes-a-nonprofit-foundation-as-it-seeks-to-be-the-switzerland-of-ai-2
- Peter Steinberger: eigene AccountsGitHub, persönliche Seite und X-Profil, zur Einordnung als real identifizierbare Person mit Historie.steipete.me
Eigene Einordnung McGrinsey: Zahlen, die ausschließlich aus dem Talk selbst stammen, etwa Mitwirkenden-, Download- und Sicherheitszahlen, haben wir NICHT als Tatsache übernommen, sondern klar als unbestätigte Eigenangabe gekennzeichnet, auch wenn sie plausibel klingen. Die Formulierung "die anime-artige Konkurrenzfirma" aus dem Talk konnten wir keinem konkreten Unternehmen zuordnen und lassen sie deshalb bewusst unbenannt.
Diese Ausgabe ist Folge 2 unserer "Wer zum Teufel ist"-Reihe, nach Eugene Schwartz. Beide Male ging es um dasselbe Muster: ein Ruf, der größer ist als das, was sich sauber belegen lässt, und die Arbeit, genau diese Lücke offenzulegen statt sie zu glätten.
Und ja, diese Ausgabe sieht anders aus als der Rest des Magazins. Das ist Absicht, nicht Beliebigkeit, und bleibt eine Ausnahme. 🦞


